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Gibitz 25 Jahre Wendelstein

Kunstgeschichte-Kunstbetrachtung Rudolf Steiner hat für die verschiedenen Entwicklungsstufen der Kinder vielfältige Erziehungshilfen nach bestimmten Leitmotiven angegeben. Gilt für das 1.Jahrsiebt das VORBILD und die NACHAHMUNG als goldene Regel, so heißt die Zauberformel für das 2. Jahrsiebt AUTORITAT und NACHFOLGE. Im 3. Jahrsiebt muss ein freies Verhältnis walten im Sinne des oft zitierten Dichterwortes: EIN JEGLICHER MUSS SEINEN HELDEN WÄHLEN, DEM ER DIE WEGE ZUM OLYMP HINAUF SICH NACH ARBEITET. Ein entscheidendes Ereignis ist die Geburt des Astralleibes beim Übergang vom 2. zum 3. Jahr siebt. Er ist die Ursache für die ganzen Veränderungen, die beim jungen Menschen in dieser Zeit zutage treten. Was dabei an neuen Eigenschaften hervortritt, kann zugleich wegweisend für Charaktereigenheiten und Neigungen sein, oder Schwächen aufzeigen, die durch eine sinnvolle Pädagogik in rechte Bahnen gelenkt werden kann. (siehe: Die gesunde Entwicklung des Leib lich-Physischen als Grundlage der freien Entfaltung des Seelisch-Geistigen GA 303) Dieser Entwicklungsschritt ist für den jungen Menschen nicht leicht vollziehbar. Er muss ihn empfinden wie ein »Herausgeworfensein « aus einer geistig-seelischen Welt und ein »Hineinge stoßenwerden« in eine fremde, seelenlose Welt. Nun ist er vor die Notwendigkeit gestellt, sich mit dieser Welt auseinander zu setzen, ein Verhältnis zu schaffen - der Balanceakt zwischen Grenzerlebnissen und dem Empfinden: »KEINER VERSTEHT MICH« muss verwandelt werden in Vertrauen und Glauben an die Zukunft. Um all diese neuen SEELENNÖTE zu bewältigen braucht der Jugendliche die Hilfe von Menschen, die ihm das Sinnvolle dieser Welt begreiflich machen, die ihn anleiten, Werte zu erkennen und Lebensideale anzustreben. Gelingt uns das nicht in ausreichendem Maße, werden wir immer mehr Jugendliche haben, die rebellisch oder desinteressiert in die Zukunft gehen. Ohne Zweifel liegt hier die Wurzel für viele extreme 48 Jahre Erscheinungen in der heutigen Zeit und es ist nicht aus der Luft gegriffen, wenn wir von ständig steigender Aggressivität oder Willensschwäche sprechen. Für das gesunde Überstehen dieses KRIESENALTERS ist für den Jugendlichen, neben der Pflege des religiös-moralischen, die Ausbildung des künstlerischen Sinnes von großer Hilfe. Die jungen Men schen werden am besten vorbereitet, wenn sie in der Schulzeit, die Welt die sie mit ihrer Gesetzmä ßigkeit in ihren Gedanken begreifen sollen, auch in ihrer Schönheit begreifen: Die Erweckung des Sin nes für alles Erhabene und Schöne, wie zum Bei spiel für einen Sonnenaufgang, die Pflanzen-und Tierwelt, das Erlebnis eines gewaltigen Gewitters, das funkelnde Sternenzelt und die ziehenden Wol ken. Das Kind lernt staunen, lernt das Ehrfurchts gefühl zu entwickeln und wird aufnahmefähig. Da durch kann sich in späteren Jahren auch ein natürliches Verhältnis zum eigenen Leib ausbilden und die Persönlichkeit freier werden lassen. Durch die aufmerksame Beachtung der Außenwelt ge winnen wir Kraft für unsere Innenwelt. Ästheti sches Auffassen der Schöpfung, der Künste und künstlerisches Tätigsein bewirkt neben der Pflege des moralisch-religiösen Elements eine Stärkung des Astralleibes und das ICH kann seine Erden aufgabe erfüllen. Im 9. Schuljahr, der ersten Oberschulstufe, beginnt der Unterricht im Fach Kunstgeschichte Kunstbetrachtung. Die Jugendlichen werden in die Entwicklung der verschiedenen Menschheitsepochen eingeführt und erleben die Geschichtsschreibung anhand der Künste. Um den Schülern ein tieferes Verständnis der je weiligen Kultur zu vermitteln, legen wir an unserer Schule den Schwerpunkt in der 9. Klasse auf die Ägyptische- und Griechische-Plastik, um dann in der 10. Klasse die Malerei anzubinden. In der ägyptischen Plastik zeigt sich sehr anschaulich die gravierende Veränderung der Menschen, die mehr und mehr selbstständig werden. Die SITZENDE, STEHENDE und SCHREITENDE SKULPTUR, das Statische,

Aus dem Gibitz 11 1999 Anmerkung: Es konnten leider nicht alle Arbeiten fotografiert und abgedruckt werden, aber ich freue mich über die gute Leistung und die gelungenen Kunstwerke! In der weiteren Folge werde ich über die Malerei in der 10. Klasse (mit Bildern) berichten. Die Bilder stammen von Schülern und Schülerinnen der 9. Klasse die Aufrechte, wird erlebbar und nachvollziehbar. Die Formen werden eingehend betrachtet und von jedem Schüler gezeichnet. Auch das Relief ist, gerade in der ägyptischen Kunst, wie in keiner nachfolgenden Epoche, von großer Bedeutung, da der Ägypter in starker Verbundenheit mit dem Jenseits lebte und diese Bilderwelt Ausdruck seiner Seelenhaltung war. Fast jeder hat schon von der Faszination der Ägyptischen Tempel gehört und die Schüler bekommen die Aufgabe, nachdem der Hintergrund und die gesetzmäßigen Regeln besprochen wurden, ein Relief anzufertigen. In der Plastizierepoche wird das Thema ebenfalls aufgegriffen und z. B. der bekannte, ausdrucksstarke Würfelhocker plastiziert. Dadurch kann der Jugendliche mit Herz und Hand in die Kulturepoche eintauchen; DENKEN-FÜHLEN-WOLLEN wird in gleichem Maße angeregt. Bei der Gegenüberstellung Ägypten - Griechenland erlebt der Schüler dann nicht nur die geographischen Veränderungen, sondern den Ausdruck der geistigen Errungenschaft. Er lernt zu sehen, wie der Griechische Geist in seinem göttlichen Gedankengut Form annimmt in einmaliger Schönheit und Vollkommenheit. Rudolf Steiner sagte sinngemäß dazu, dass der irdische Mensch nie zuvor so sehr im Einklang mit den Göttern war, wie in der griechischen Epoche. In den Skulpturen und Tempelbauten spiegelt sich absolute Ästhetik und Harmonie. Durch die Gegenüberstellung des Kontraposts beim Dorophoros, dem Speerträger, und der noch ganz in der Symmetrieachse verhafteten archaischen Gestalt des Apoll von Tenea, lernen die Schüler die gewaltigen Unterschiede in der griechischen Kunst erkennen. Sie können nachvollziehen, wie der Mensch seinen zielgerichteten Gedanken in der Gestalt des Poseidon sichtbar zu machen vermag und schließlich den menschlichen Schmerz, zur Steigerung, in der Laokoon Gruppe zum Ausdruck bringt. Den Abschluss der Epoche bildet dann der Besuch der Glyptothek sowie des Ägyptischen Museums. Es ist für mich immer wieder ein ganz besonderes Erlebnis, wenn die Jugendlichen interessiert und voller Fragen vor den Kunstwerken stehen und ich glaube, dass jede Hinwendung zur Kunst eine Bereicherung und darum SEELEN NAHRUNG ist. Manfred Kafitz 49 Jahre

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