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Gibitz 25 Jahre Wendelstein

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25 Jahre Freie Waldorfschule Wendelstein – Beitrag zum Jubiläum von Edith Horneber Gerne folge ich der Bitte, dem Jubiläums-Gibitz aus meiner Zeit mit der Freien Waldorfschule Wendelstein einen Beitrag zu liefern. In der Mehrzahl schöne Erinnerungen, einige Spitzen werden wohl darunter sein, es geht nicht anders. Verzeihung. Als ich im Frühjahr 1986 den Hinweis erhielt, in Schwabach Penzenhofen gäbe es eine Schulgründungsinitiative für eine Waldorfschule in Schwabach, machte ich mich dorthin auf den Weg. Mein Ziel, wenn es eine neue Waldorfschule geben soll, dann eine barrierearme! Denn ich war Mutter eines 14 Monate alten Buben mit angeborener Querschnittslähmung und Hydrocephalus. Als wir uns zum Verein zusammenschlossen wurde ich Vorstandsmitglied dieser Gründungsinitiative, privat war es mir nicht wichtig, wie schnell wir zur Gründung kommen würden, meine beiden Kinder sollten ja an meine alte Schule, der Rudolf Steiner Schule in Nürnberg, gehen. Das Schuljahr 1989 kam ins Land, Nürnberg hatte einen Schülerüberschuss. Wir „Schwabacher“ waren noch immer auf Grundstückssuche. Da wurde aus Nürnberg mitgeteilt, man rechne mit uns und werde im September mit einer 1s als Balkonklasse (s = Schwabach) starten. September 1990, meine Tochter kam in die zweite Balkonklasse der Gründungsinitiative Schwabach. Ein Grundstück war nach wie vor nicht in Sicht! Vielen Dank an Frau Lachner! Sie hat damals die Klasse übernommen und den Kindern unter anderem mit yksi – kaksi – kolme… das Zählen in Finnisch beigebracht. Auch der September 1991 verstrich ohne Aussicht auf eine Schulgründung, dafür nun mit drei Gastklassen in Nürnberg. Auf uns im Schwabacher Vorstand lastete ein immenser Druck! Unsere Grundstückssuche, zwischenzeitlich hatten wir das ehemalige US-Armee-Gelände in SC-Eichwasen in Aussicht gestellt bekommen, was unsere Gemeinschaft fast zerrissen hätte, war nach wie vor ergebnislos geblieben. Aber, wie aus dem Nichts, kam eines Abends ein Gründungsmitglied, wohnhaft in Wendelstein, in den erweiterten Vorstand und berichtete, dass es in seiner Gemeinde die Möglichkeit gäbe, ein Schulgrundstück zu bekommen. Denn dort gäbe es einen Bürgermeister, der unserer Sache gegenüber sehr aufgeschlossenen sei. Ich wusste in diesem Moment: Da muss ich hin! Denn ob eine barrierefreie Waldorfschule in Schwabach oder Wendelstein stehen würde, war für mich nicht der entscheidende Punkt, nur dass es eine geben müsse! Nun kam er ins Spiel, Hansjörg Hofrichter, mein ehemaliger Mathematik - und Chemielehrer! Zu dieser Zeit noch Sprecher im Sprecherkreis der Landesarbeitsgemeinschaft der Waldorfschulen in Bayern und unserer Initiative als Berater zugeordnet. Außerdem war er nach wie vor Lehrer 12 Jahre an der Rudolf Steiner Schule Nürnberg und von daher bestens vertraut mit unserem gemeinsamen Dilemma: Nürnberg mit drei Balkonklassen und wir mit der Frage, wie geht es weiter? Die Situation war für die Schwabacher Initiative nicht einfach, immerhin musste eine Entscheidung gefällt werden: verabschieden wir uns von der Idee der Schulgründung in Schwabach oder nicht. Es gab einige, die letzteres nicht wirklich denken konnten… Herr Hofrichter (16.2.1942 – 1.12.2018), sprach bei uns im Vorstand ein Machtwort mit dem Inhalt, dass man doch auf diese sich öffnende Türe, zugehen müsse. Zum Glück! Nur wenige Tage später hatten Hofrichter und ich beim Wendelsteiner Bürgermeister Wolfgang Kelsch einen Termin, und unterbreiteten ihm unser Anliegen. In Wolfgang Kelsch, vor seinem Gang in die Politik selbst Lehrer, saß uns ein Mensch gegenüber, der sich mit offenem Ohr und offenem Herzen unser Anliegen anhörte und uns seine vollste Unterstützung zusagte. Das Beste an ihm war, meiner Meinung nach, dass er Marathonläufer war. Ich fühlte, ihm würde die Luft nicht so schnell ausgehen. Herr Hofrichter und ich verließen Herrn Kelsch mit der Gewissheit: es ist geschafft, der Schulgründung steht nichts mehr im Weg! Wir waren sicher, dass wir alle Hürden, die unserem Weg noch säumen würden, wegräumen können! Ab diesem Moment, am Übergang ins Jahr 1992 ging alles ganz schnell und ohne größere Hemmnisse. Für die Nürnberger Schule war es ab diesem Zeitpunkt kein Problem mehr, für eine vierte Balkonklasse ihre Zusage zu geben und einen Raum dafür zu finden. Für mich als nicht berufstätiges Vorstandsmitglied begann ein wunderbarer Lebensabschnitt: meine „ehrenamtliche – hauptberufliche“ Tätigkeit für unsere Wendelsteiner Schule, die bis zum Februar 1999 andauern sollte. Neben Terminen, die zu zweit zu erledigen waren, z.B. Notartermine, waren die kommenden Wochen mit Behördengängen und Gesprächen mit dem Bürgermeister, den Gemeinderäten, dem Landrat, der Regierung von Mittelfranken und dem Grundstückseigentümer und dessen Nachbarn angefüllt. Alles lief so, als hätte man nur auf die Gründung der Freien Waldorfschule Wendelstein gewartet. Ein eindrucksvolles Erlebnis, wieder mit Herrn Hofrichter, hatte ich bei dem damaligen Landrat Helmut Hutzelmann, selber einst Schüler einer Schule in freier Trägerschaft (Benediktiner), war auch er sofort und ohne Wenn und Aber von der Richtigkeit einer Schulgründung in freier Trägerschaft überzeugt. Dieser Mensch verstand unser Anliegen! Er sagte bereits bei diesem ersten Kennenlernen die Übernahme von Gastschulbeiträgen zu.

Von seiner Seite kam in den folgenden Monaten nur positive Unterstützung und das völlig unabhängig davon, dass er nicht der gleichen Partei angehörte wie Bürgermeister Kelsch! Diese beiden Herren prägen bis heute meine positive Haltung gegenüber Politik. Auch wenn ich keine Anhängerin ihrer Parteien bin, habe ich von diesen beiden Persönlichkeiten gelernt, dass es zur Zusammenarbeit von SPD und CSU kommen kann, wenn die Argumente stimmen. Und, die Argumente lieferten WIR, offensichtlich waren sie gut, nicht nur für uns, sondern eben auch für Gemeinde und Landkreis. Als Hutzelmann im Juli 93 unerwartet verstarb, wurde die überaus positive Haltung, der Schulgründungsinitiative gegenüber, ohne Bruch, durch seinen Nachfolger fortgesetzt. Ein weiteres Arbeitsfeld tat sich nun auf, die Suche nach einem geeigneten Architekten. Wir suchten jemanden, der Eigenleistung nicht nur gut fand, sondern auch die speziellen Herausforderungen dazu kannte. Wir fanden diesen in Carsten Waltjen (30.4.23 – 20.11.2018). Mit ihm reisten wir zur Waldorfschule Neuwied, um uns dort die von den Eltern erbrachten Eigenleistungen anzusehen. Wolfgang Kelsch war ebenfalls dabei und sofort von Waltjen und dessen Schul- aber vor allem Kindergartenbau begeistert. In Neuwied wurde der Grundstein für den Waldorfkindergarten in Wendelstein gelegt. Wolfgang Kelsch wollte ihn haben! Carsten Waltjen ging ans Werk und erstellte den Masterplan: Haus I, Haus II in zwei Bauabschnitten und den Kindergarten. In den Folgejahren war es meine Aufgabe als „Bauherrin“ mit Waltjen alle Planungen und Eigenleistungen zu besprechen und abzustimmen. Die damalige Geschwindigkeit unseres Vorgehens ist für heutige Verhältnisse kaum mehr nachvollziehbar, ebenso die Kaltschnäuzigkeit mit der wir vorgingen: Bereits im Januar 1993 fand der 1. Spatenstich statt. Zur Grundsteinlegung Ende März 93 kamen sie alle. Neben den Vertretern der LAG-Waldorfschulen in Bayern mit Herrn Hofrichter, Vertretern des Bundes der Waldorfschulen kam auch Landrat Eckstein, Bürgermeister W. Kelsch, unsere Nachbarn, die gerade dabei waren, eine Radsporthalle zu bauen. Sie freuten sich auf besondere Weise mit uns, denn wir wollten ihre Halle für den Schulsport nutzen. Die Persönlichkeiten der Kreissportanlage waren ebenfalls da, denn mit uns ergab sich endlich eine Dauernutzung der Anlage. Auch die Persönlichkeiten der Bank waren gekommen und mit ihnen ihre Finanzierungszusage. Richtig gelesen: Wir hatten mit dem Bau von Haus I begonnen ohne eine Finanzierungszusage zu haben. Aber wer keine Baugenehmigung hat, der riskiert auch einen Baubeginn ohne Finanzierung. Die Baugenehmigung, allerdings nur für das Fundament, kam erst lange nach der Grundsteinlegung, bei der dieses bereits fertig und mit einigen Mauern versehen war. Heute würde man eine solche Vorgehensweise mit verrückt, hirnlos oder ähnlichem bezeichnen. Für uns war das damals einfach eine Notwendigkeit, denn Haus I sollte/ musste zum 1. Schultag, der in diesem Jahr auf einen 7.September fallen sollte, für dann 5 Klassen bezugsfertig sein. Auch beim Richtfest im Frühsommer 93 waren alle da, inklusive der Chef vom Bauamt. Er besichtigte den Baufortschritt, ich begleitete ihn, wohl wissend, dass er mit diesem nicht einverstanden sein konnte. Denn am Tag des Richtfestes galt die Baugenehmigung nur bis zum 1. Stock. Unser Erdgeschoss war da aber schon weitgehend fertig und im 1. Stock waren die Eigenleister um Armin Hirschmann dabei die Elektroleitungen zu verlegen. Der Chef des Bauamts verspeiste mit uns und seinem Vorgesetzten Spanferkel und Knödel, ging zurück in sein Amt und sprach den sofortigen Baustopp aus. Wir, Herr Brügmann, ich als Bauherren-Vorständin und Bauleiter Tobias Hoyer entschieden: Die Dachsparren müssen gesichert werden, damit diese durch den Baustopp nicht Gefahr laufen konnten, Daniel, Agnes und ich beim 1. Spatenstich, im Hintergrund die Radsporthalle zusammen zu stürzen. Die Dachsicherung wurde durch das Einlatten des kompletten Daches vorgenommen. So, unser Kalkül, konnte es mit dem Dachdecken, der Termin stand dafür schon fest, nach dem Baustopp weiter gehen. Irgendwie war das damals surreal, wir wussten alle, dass wir uns außerhalb des Baurechts bewegten, aber es kümmerte uns nicht. Meine Besuche beim Bauamt wurden intensiviert. Ich bat, provozierte, war freundlich und unnachgiebig, parallel ging ich zum Landrat damit der seine Leute, die ja nicht gegen uns, sondern nur nach ihren amtlichen Vorgaben arbeiteten, „auf Trapp“ brächte. Auf der Baustelle ging es einfach weiter, Fenster und Türen wurden eingebaut, nur das Dachdecken vollzogen wir nicht. Es funktionierte, wenige Wochen später kam die endgültige Genehmigung. Sie hielt allerdings eine Einschränkung mit Schockwirkung bereit. Denn unsere F90ger Holztüren zum Treppenhaus wurden nicht genehmigt, da sie nicht Rauchundurchlässig seien. Wir erhielten die Auflage, Stahltüren einzubauen. Mist, hatten wir etwas übersehen und so einige tausend DM in den Sand gesetzt? Aber was bedeutet „Rauchdicht“? Jedes Material ist doch rauchdicht, oder? Ich überzeugte Architekten und unseren Geschäftsführer Rainer Brügmann, dass wir Widerspruch einlegen müssten, mit der Begründung, dass die Begründung des Bauamtes falsch sei. Wir legten Widerspruch ein, 13 Jahre

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